Auszüge aus Interviews
Um halb eins mussten wir alle schweigen. S Grossmueti hörte dann am Radio die Nachrichten. Plötzlich mussten wir wegen diesem Reuter still sein. Diesen Namen gibt es heute noch! Es hat mich verrückt gemacht, dass wir wegen ihm schweigen mussten.
Ruth, 88
Ruth, 88
Während einer meiner grossen Lebenskrisen fuhr ich mit dem Velo durch Frankreich. Jeden Abend landete ich in einer anderen Unterkunft. Ich wollte nur mich wieder finden auf dem Weg zum Meer. Es war ein heisser Herbst, wochenlang arbeitete ich mich an Bergen ab. Das war eine wichtige Erfahrung für mich, alles jeden Tag neu entscheiden zu müssen und dürfen.
Daniel, 58
Daniel, 58
Ich führte ein ziemliches Hippieleben, alles ging drunter und drüber bei uns. In jeder Hinsicht. Drogen gehörten dazu, nicht wahllos, aber LSD nahm ich vier Jahre lang. Da erlebte ich diverseste Sachen. Einmal war in der Disco und auf dem Heimweg sah ich eine Wahnsinnsheide, unglaublich schön. Jedes Gräslein sah ich einzeln. Am nächsten Tag wollte ich mit meinem Kollegen zurück an diesen Ort. Als wir es fanden, war es ein biederes Vorgärtchen.
Fränzi, 75
Fränzi, 75
Nach dem Krieg kam für mich die Zeit der Heimkehr. Ich war inzwischen achtjährig und durfte eines Tages mit dem Nachbarn Herrn Stark auf dem Schoss sitzend in einem furchtbar stinkigen Holzvergaser-Lastwagen nach München fahren. Ich freute mich wahnsinnig auf zu Hause und besonders auf die vielen Kinder im Hof, mit denen man so herrlich spielen konnte. Es kam ganz anders. Das vierstöckige Haus, in dem wir gewohnt hatten, war eine Ruine, nur der Laden vorne war übriggeblieben. Vom Rückgebäude war noch die Hälfte stehen geblieben. Die ganze rechte Seite war wegrasiert, bis hinunter zum Keller, der ein tiefer Krater war.
Luise, 88
Luise, 88
Ich beschloss, nach New York zu gehen und bestieg im April 1958 mit fast 21 Jahren in Genua die «Constitution».Ganz allein, mit acht Dollar in der Tasche.Was dann folgte, war für mich «the best time of my life»! New York in den 1960er-Jahren war einfach lässig.
Luise, 88
Luise, 88
In New York wohnte ich mit vier Kanadierinnen in einer WG. Später bin ich mit meiner Freundin Inneke – eine Holländerin, die ich in New York kennengelernt hatte – in eine Wohnung gezogen. Die Zeit mit ihr war absolut grossartig. Wir sind oft tanzen gegangen und haben es genossen. Ich war jung und es war toll. Ich bin insgesamt zehn Jahre dort geblieben.
Luise, 88
Luise, 88